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Ella Wengerowa gewinnt den Schukowski-Preis für die Übersetzung von Das Parfum (Foto: Kurizina/.rufo)
Montag, 27.10.2008

Schukowski-Preis für Übersetzung von „Das Parfum“

Moskau. „Das Parfum“ von Patrick Süskind ist einer der bekanntesten deutschen Romane der Gegenwartsliteratur. Für die gelungene Übersetzung ins Russische haben AHK und Goethe-Institut nun den Schukowski-Preis verliehen.

Moderne deutsche Literatur ist auf dem russischen Markt kaum vertreten. Ihre Übersetzung ins Russische wird daher mit dem Schukowski-Preis gefördert. Der Schukowski-Preis für Übersetzer der deutschen Literatur ins Russische ist, wie oft auch die Übersetzer selbst, der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt. Die Auszeichnung gibt es allerdings schon seit 1996. Sie wird alle zwei Jahre vergeben.

Süskind bereits seit den 90er Jahren Bestseller-Autor in Russland


Das Hotel Baltschug Kempinski stellte den würdigen Rahmen für die bereits sechste Verleihung des Schukowski-Preises. Unter den rund 50 Gästen waren die Organisatoren – die deutsche Auslandshandelskammer und das Goethe-Institut, Jury-Mitglieder von der russischen Zeitschrift „Inostrannaja Literatura” (Auslandsliteratur) sowie Kollegen und Bekannte der Preisträger.

In diesem Jahr gibt es zwei Preisträger. Der Hauptpreis, dotiert mit 3.000 Euro, geht an die 72-jährige Ella Wengerowa. Dank ihrer Übersetzung wurde der Roman von Patrick Süskind „Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders” in den 90er Jahren auch in Russland zu einem Bestseller.

Wengerowa übersetzte außerdem das Theaterstück „Leonce und Lena” von Georg Büchner und mehrere Balladen, Theaterstücke und Essays von Peter Hacks. Hacks sei ihr Lieblingsautor, von dem sie insgesamt sieben Bände ins Russische übertragen habe, gestand Wengerowa nach der Preisverleihung.

Deutsche Rap-Poesie ins Russische übersetzbar


Den mit 1.000 Euro dotierten Nachwuchspreis erhält der junge Übersetzer Swjatoslaw Gorodezki. Er hat den Roman von Peter Stamm „An keinem Tag wie diesem” und „Die Kunst des stilvollen Verarmens” von Alexander von Schönburg übersetzt. Zudem machte er eine Neuübersetzung der „Dreigroschenoper” von Brecht.

Eine besondere Herausforderung sei für ihn aber die moderne deutsche Poesie, meint Gorodezki. Einer der Autoren, der ihn im Moment fasziniert, ist der Rap-Poet Bas Böttcher. Bei der Preisverleihung wurde ein Gedicht von Böttcher, „Positionierung eines 20-jährigen Dichters”, sowie die Übersetzung von Gorodezki vorgelesen.

„Wenn Dinge dank Gedanken aus dem Nichts entstehen,/ ist mein Plansoll erfüllt: Eine eigene Welt aus Ideen./ Der Urknall für das All und all das ist dann mein Album…” – so lauten einige Zeilen aus dem Gedicht.

„Als ich den Text zuerst auf Deutsch hörte, dachte ich mir, so was kann man doch nicht in einer anderen Sprache wiedergeben! Und doch ist es übersetzbar,” sagte Jürgen Möpert, der Vorsitzende des Komitees für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit der Auslandshandelskammer, der den Abend im Baltschug moderierte.

Nur 10 Prozent der ausländischen Literatur kommen aus Deutschland


Jedoch gibt es nicht viel moderne deutsche Literatur, die in russische Buchläden kommt. „Jährlich werden rund 10.000 ausländische Werke ins Russische übersetzt. Aber der Löwenanteil davon, beinahe 90 Prozent, ist englischsprachig”, meinte der Chefredakteur von „Inostrannaja Literatura” Alexander Liwergant.

Deshalb sei es wichtig, dass es einen Preis gebe, der extra Verbreitung der deutschen Literatur in Russland fördert, meint Liwergant.

Seit seiner Gründung wurde der Preis bereits an die in Russland renommierten Literaturübersetzer Solomon Apt, Sonja Friedland und Michail Rudnizki verliehen. Viele Werke von Günther Grass, Franz Kafka, Bertold Brecht, Heinrich Böll und anderen Autoren sind in Russland gerade in ihrer Übersetzung erschienen.

Schukowski-Preis in Russland und Turgenjew-Preis in Deutschland


Der Schukowski-Preis trägt den Namen von Wassili Schukowski, dem russischen Dichter, Literaturübersetzer und Mentor Puschkins. Dank Schukowski wurden viele Namen aus der Weltliteratur, darunter Friedrich Schiller, in Russland überhaupt bekannt.

In diesem Jahr wird die Förderung der deutschen Literatur in Russland zum ersten Mal durch eine ähnliche Veranstaltung für die russische Literatur in Deutschland erwidert, berichtet Alexander Liwergant.

Im November findet seinen Angaben nach in Berlin zum ersten Mal eine Auszeichnung deutscher Übersetzer von russischen Schriftstellern mit dem neu gegründeten Turgenjew-Preis statt.


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